Interview mit Daniel Glökner

Gelnhausen-Roth. Die künftige Nutzung der Weiberswiesen sorgt derzeit für hitzige Debatten in Gelnhausen. Heute Abend (20 Uhr, Kinzighalle) informiert die Stadt über die Pläne. FDP-Fraktionsvorsitzender Daniel Chr. Glöckner hat sich seine Meinung bereits gebildet. Er ist strikt gegen die Ausweisung eines neuen Gewerbegebietes und beurteilt auch die Pläne für einen Solarpark skeptisch. Warum, erklärt er im Gespräch mit GNZ-Redakteurin Esther Ruppert-Lämmer.
GNZ: Herr Glöckner, wie steht die FDP zu einer möglichen Bebauung der Weiberswiesen in Roth?
Daniel Glöckner: „Ein Gewerbegebiet in den Weiberswiesen kommt für uns nicht in Frage. Aus meiner Sicht gibt es viele Faktoren, die dagegen sprechen. Zum Beispiel wäre eine Andienung des Areals nur über zwei Bahnübergänge möglich. Die Deutsche Bahn will ja weg von Bahnübergängen – deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass sie eine solche Planung gut heißen werde. Darüber hinaus müssen von den geplanten vier Hektar weitere Flächen für Bürgersteige uns Straßen abgezogen werden. Ob die verbleibende Restfläche dann wirklich wirtschaftlich vermarktbar wäre, bezweifle ich.
Welche Alternativen gibt es aus Ihrer Sicht?
Es gibt genügend freie Flächen im Gewerbegebiet Hailer-Ost und auf dem ehemaligen Panzerabstellplatz. Doch während in anderen Kommunen der Flächenverkauf von noch nicht fertiggestellten Gewerbegebieten fast abgeschlossen ist, hinkt Gelnhausen hinterher. Wie oft haben wir ein und dasselbe Grundstück schon verkauft? Immer wieder sind potentielle Käufer abgesprungen.
Und an was liegt das aus Ihrer Sicht?
Wir müssen uns fragen, ob unsere Grundstückspreise zu hoch sind. Wenn ja, dann müssen wir unsere Preise an die der Nachbarkommunen anpassen. Wir können uns nicht hinsetzen und warten bis jemand kommt.
Woran hapert es Ihrer Meinung nach?
Ich vermisse eine aktive Wirtschaftsförderung für den Standort Gelnhausen. Schon in der vergangenen Legislaturperiode habe ich zum Beispiel den Antrag gestellt, auf Gelnhausens freie Flächen in Zügen der Bahn hinzuweisen. 100.000 Flyer kosten 4000 Euro und dann noch etwaige Verteilkosten. Summa summarum kommen wir dann vielleicht auf 6.000 bis 7.000Euro. Es kommt doch auf einen Versuch an, zu testen, wie viele Investoren sich darauf melden. Solch eine Werbeaktion gehört in ein tragfähiges Image- und Vermarktungskonzept – das vermisse ich. Bei bestehenden Flächen und Altstandorten müssen wir schauen, wie diese besser und intensiver ausgenutzt werden können. Großflächiger Handel hilft uns da nicht weiter – hier verbrauchen die Parkplätze einen großen Teil der Fläche. Wir können nicht immer noch weitere Fässer öffnen, sondern müssen im Bestand bauen und verdichten.
Und wie beurteilen Sie die Pläne für den Bau eines Solarparks?
Es gibt in Gelnhausen genügend städtische Gebäude, die mit Solaranlagen versehen werden können. Ich bin ein Verfechter von alternativen Energien – aber nicht immer sind diese geeignet.
Inwiefern?
Ein Wasserkraftwerk im sensiblen Bereich von Kinzigwehr-Müllerwiese-Kaiserpfalz ist genauso deplaziert wie ein Solarpark in den Weiberswiesen. Zur Zeit haben wir einen Hype, wenn es um erneuerbare Energien geht. Die Förderumlagen aus den Erneuerbare-Energien-Gesetz wurden in der Vergangenheit gesenkt und werden noch gesenkt. Mit der Subventionen hatte die Bundesregierung ja den gutgemeinten Willen, eine Solarindustrie in Deutschland zu entwickeln. Doch heute im Jahr 2012 zeigt sich die Situation ganz anders. Investmentexperten empfehlen ihren Kunden mittlerweile, in Aktien chinesischer Hersteller von Photovoltaikanlagen zu investieren. Richtig selbständig machen wir uns mit der „Herstellung“ des Stromes ja nicht. Der „gewonnene“ Strom wird ins allgemeine Stromnetz eingespeist, aber weiterhin muss man Kunde eines Stromlieferanten sein. Man erhält zwar Geldbeträge von den Stromlieferanten für den eingespeisten Strom, ist aber immer noch einer gewissen Abhängigkeit zu diesen.
Also finden Sie, im Bereich der Weiberswiesen sollte alles so bleiben wie es ist?
Wenn sich eine Stadt als familienfreundlich darstellt und Familien mit Kindern für die Zukunft in Gelnhausen halten will, dann muss sich auch für deren Lebens- und Aufenthaltsqualität sorgen. Eine Stadt mit Zukunft hat Grünflächen und Parks aufzuweisen, die der Naherholung dienen. Als kleiner Junge war ich in den Sommerferien immer ein- bis zwei Wochen bei meiner Uroma in Roth. Wie oft haben wir Kinder uns in die Weiberswiesen geschlichen und dort Zelte gebaut oder an der Kinzig Bootchen fahren lassen. Für die Röther ist die Aue ein Teil ihrer Lebensqualität.
Gelnhausen ist eine Stadt am Wasser und Roth genauso. Hier bildet nach meinem Verständnis die Bahnlinie die Raumkante – oder lassen Sie es mich anders Ausdrücken: die Uferpromenade. Die Gestaltung der Weiberswiesen als großer Erholungspark, der bis in die Stadt hinein führt und die Kinzig überbrückt und somit Hailer und Meerholz Roth näher bringt, ist besser Gewinn für die Stadt als ein Solarpark oder ein Gewerbegebiet.
